nachwuchspreis bildungssoziologie.

Aktuelle Ausschreibung des Nachwuchspreises der Sektion Bildung und Erziehung 2016

Der Preis
Der Nachwuchspreis Bildungssoziologie wird alle zwei Jahre von der DGS-Sektion Bildung und Erziehung im Rahmen des Soziologiekongresses verliehen. Der mit 500€ dotierte Preis zeichnet eine hervorragende Dissertation aus, die sich mit einer bildungs­soziologischen Fragestellung auseinandersetzt. Grundlage der Bewertung sind die wissenschaftliche Bedeutung, Qualität und Originalität der eingereichten Arbeiten. Die für den Preis ausgewählte Arbeit kann ggf. in der beim Beltz-Juventa-Verlag erscheinenden Reihe „Bildungssoziologische Beiträge“ veröffentlicht werden, die vom Vorstand der DGS-Sektion Bildung und Erziehung herausgegeben wird.
 
Die Jury
Über die Vergabe des Preises entscheidet eine vom Sektionsvorstand eingesetzte Jury, der neben einem Mitglied des Vorstands zwei weitere KollegInnen aus der Sektion Bildung und Erziehung angehören.
 
Die Teilnahmebedingungen
  • Berücksichtigt werden Arbeiten aus der Soziologie und ihren Nachbardisziplinen, die einen deutlichen bildungssoziologischen Schwerpunkt aufweisen.
  • Die vorzuschlagenden Dissertationen sollen in den beiden Vorjahren des DGS-Kongresses eingereicht und begutachtet worden sein.
  • Einzureichen sind zwei Druckexemplare der Arbeit sowie eine digitale Fassung der Dissertation. Darüber hinaus sind in zweifacher gedruckter Ausfertigung eine Zusammenfassung, die Gutachten zur Arbeit (wenn möglich) sowie ein Lebenslauf, ggf. mit Darstellung des wissenschaftlichen Werdegangs und einem Verzeichnis der Publikationen, einzusenden (auch diese Unterlagen bitte zusätzlich in digitaler zusammengefügter Form).
  • Die Arbeit kann von der Verfasserin bzw. dem Verfasser selbst oder von den BetreuerInnen bzw. den GutachterInnen vorgeschlagen werden.



Bisherige PreisträgerInnen


 
Dem viel gelobten deutschen Ausbildungssystem ist die Passgenauigkeit abhanden gekommen. Viele Lehrstellen bleiben offen, ein drohender Fachkräftemangel wird angemahnt. Warum haben Hauptschülerinnen und Hauptschüler heute nur geringe Chancen auf dem Ausbildungsmarkt, obwohl ihnen doch die demografische Entwicklung zugutekommen müsste? Die Autorin wendet soziologische und ökonomische Theorieansätze auf den Wandel beruflicher Chancen an, entwickelt diese weiter und prüft sie mittels eines Mixed-Method-Designs. Analysen quantitativer Längsschnittdaten werden ins Verhältnis zu qualitativen Auswertungen von Ausbildungsordnungen sowie Experteninterviews mit Personalverantwortlichen gesetzt.

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http://images.springer.com/cda/content/image/cda_displayimage.jpg?SGWID=0-0-16-1095828-0

Migrantenkinder haben in Deutschland schlechtere Bildungschancen als Einheimische - doch auch zwischen Migrantengruppen bestehen große Bildungsungleichheiten. Um diese zu erklären, untersucht Janina Söhn die Rolle unterschiedlicher Rechtsstatus. Die Analyse immigrations- und integrationspolitischer Regelungen und repräsentativer Umfragedaten zeigt, wie die Gruppen der Aussiedler und ausländischen Zugewanderten vom Staat ungleich behandelt wurden und wie sich dies auf den Schulerfolg auswirkte: Im Zusammenspiel mit anderen sozialen Faktoren verringerte der inkludierende Rechtsstatus von Aussiedlern deren Bildungsrisiken deutlich. 



Die Magisterarbeit "Wissenschaft durch Planung“ untersucht die Diskurse der DDR-Hochschulforschung, um darauf Rückschlüsse auf die zeitgenössischen Rationalitäten des Regierens von Studenten und Hochschulforschern zu gewinnen. Gleichfalls hat sie genealogischen Charakter indem sie gegenwartsbezogene nexus, als Treffpunkt verschiedener Subjektivierungsstrategien als Betrachtungsgegenstand wählt. Die Arbeit schreibt sich ein in das von Thomas Osborne (2004) als "studies of governmentality“ klassifizierte Forschungsfeld, welches weniger durch einheitliches methodisches Vorgehen, sondern durch eine spezifische Perspektiveinstellung geprägt ist. Diese untersucht Wirkbeziehungen der Macht aus mikropolitischer Sicht, um daraus Rückschlüsse auf Rationalitäten und Logiken zu ziehen, welche das Denken und Handeln von Individuen beeinflussen (sollen). Eine solche Perspektive interessiert sich weniger für diskursive Metasignifikanten, wie "Kommunismus“ oder "Sozialismus“, sondern sucht nach Praktiken und Techniken, die den direkten Handlungsraum des einzelnen Subjekts betreffen. Hieraus lassen sich Rückschlüsse auf diskursive Figuren und Herrschaftsbeziehungen ziehen. Im Falle dieser Arbeit wurden Dokumente und Programme der DDR Hochschulforschung ab Mitte der 1970er Jahre untersucht, um die Figur des "Studenten“ und des "Hochschulforschers“ zu identifizieren und ihre jeweiligen Regierungsrationalitäten offenzulegen. Anders aber als genuin historische Arbeiten, sucht die Arbeit explizit Anschluss an gegenwärtige Hochschuldiskurse zu finden. Sie versteht sich als Vorsondierung eines, in letzter Zeit häufiger geäußerten, Vergleichs zwischen planwirtschaftlicher Überregulierung – Wissenschaft durch Planung – und heute erfahrenen Hochschulreformen.


http://www.transcript-verlag.de/ts1532/ts1532g.jpg
Das Recht auf Inklusion ist verbunden mit gemeinsamer und gleichberechtigter Bildung für alle Kinder und Jugendlichen. In Deutsch-
land werden jedoch immer mehr Schülerinnen und Schüler als "behindert" klassifiziert und an Sonderschulen unterrichtet. Wie wurde
die zentrale Kategorie der Lernbehinderung etabliert? Welche professionellen Interessen sind an sie geknüpft und welche Folgen hat
dies für die Schülerschaft? Wie wird das vorherrschende Einverständnis über die Praktiken schulischer Selektion und Segregation er-
zeugt? In wissenssoziologischer Perspektive zeigt Lisa Pfahl, wie sonderpädagogisch vermittelte "Techniken der Behinderung" im ge-
gliederten deutschen Bildungswesen als Mechanismen der Reproduktion sozialer Ungleichheit wirken.

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Research repeatedly shows that educational opportunities continue to be distributed very unevenly in all countries. Therefore, the question is not whether family background and educational outcomes are related but to what degree. This latter question then invites a comparative perspective. That is, does social inequality in education differ across time, sex, or countries? If yes, which institutional and macro-structural characteristics can explain differences in educational inequality?

This thesis conceptualizes educational inequality as the association between individuals’ and their parents’ highest educational level attained and assesses it based on log-linear models and data from the “International Adult Literacy Survey” (IALS) for twenty industrialized nations. The results show that educational mobility has remained stable across the 20th century and is largely sex-blind in virtually all countries. Nations do differ widely in the extent to which parents’ education influences their children’s educational attainment. The degree of educational mobility is associated with the institutional structure of the education system: Rigid systems with dead-end educational pathways are a hindrance to the equalization of educational opportunities, especially if the sorting of students occurs early in the educational career. Other institutional characteristics, like the degree of standardization, the prevalence of private schools, and the openness of the post-secondary sector do not appear to exert notable influences on educational mobility.

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http://media.buch.de/img-adb/24481571-00-03/soziale_herkunft_und_hochschulzugang.jpg

Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse sozialer Disparitäten im Bildungssystem, insbesondere des Hochschulzugangs. Diese werden sowohl aus einer bildungssoziologischen als auch aus einer erziehungswissenschaftlichen (schulstrukturellen) Perspektive betrachtet. Der Forschungsstand zur Wirkung primärer und sekundärer Disparitäten wird dadurch erweitert, dass beide Wirkmechanismen voneinander getrennt werden und eine mehrperspektivische Analyse der Vermittlung sekundärer Disparitäten vorgenommen wird. Am Beispiel Baden-Württembergs wird mit der Rolle der beruflichen Gymnasien einer institutionellen Gelegenheitsstruktur des Erwerbs der Allgemeinen Hochschulreife und des Übergangs in die Hochschule Rechnung getragen.
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   http://ecx.images-amazon.com/images/I/41VWUdKL%2B3L._SL500_AA300_.jpg
Einwanderung und Schule sind zu einem Top-Thema der Gegenwart und damit auch der Migrationsforschung geworden. Und dabei steht immer wieder dieselbe Gruppe - konkret: die der türkischen Schüler - im negativen Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie aber ist sie dorthin geraten? Wo liegen die Gründe für das immer wieder dokumentierte sprachlich und schulisch so schwache Abschneiden der Migranten türkischer Herkunft? Auf der Suche nach Antworten geht das vorliegende Buch über den Einwanderungskontext der Gegenwart weit hinaus und begibt sich auf Spurensuche bis ins Herkunftsland und in seine Geschichte zurück. Das Ergebnis widerspricht deutlich jeder "Unausweichlichkeit" negativer Bildungskarrieren, ebenso wie jeder Schuldzuweisung an bestimmte ethnische Gruppen. Es spricht vielmehr für die Bedeutung eines sehr persönlichen Aspekts der Lebensgeschichte: Der (Miss-)Erfolg der Schüler in der Sprache des Einwanderungslandes resultiert ganz entscheidend aus ihrem Verhältnis zum "Eigenen", und damit auch zur eigenen Sprache. In seiner Anwendbarkeit kann das Ergebnis vielfältig interpretiert und vielleicht für neue Wege im Bereich der Bildungsforschung und Bildungspolitik genutzt werden. Gedacht ist es in jedem Fall als Plädoyer für den Respekt vor kollektiven und individuellen Schicksalen.

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